Filme über kreatives Denken: Ein anderer Blickwinkel
Filme, in denen sich nichts ändert außer der Art zu schauen, und das reicht.
Filme über kreatives Denken: Ein anderer Blickwinkel
Teil vier von sieben. Filme, in denen sich nichts ändert außer der Art zu schauen, und das reicht.
Der kontemplativste Teil der Auswahl, gut geeignet für einen Abend ohne Eile.
Arrival / «Arrival» (2016)
Eine Linguistin entschlüsselt die Sprache der Angekommenen und beginnt allmählich, in ihren Kategorien zu denken.
Themen: Sprache als Rahmen der Wahrnehmung, Kommunikation ohne gemeinsamen Kontext, Vertrauen zwischen Staaten unter Ungewissheit, die Wahrnehmung von Zeit.
Nachklang: leise, meditativ, im Finale emotional überwältigend. Ein Film, der sich noch tagelang im Kopf entfaltet und fast immer ein zweites Sehen verlangt.
Groundhog Day / «Und täglich grüßt das Murmeltier» (1993)
Ein Fernsehreporter bleibt in einem einzigen Tag stecken und erlebt ihn unbegrenzt oft von Neuem.
Themen: das Durchspielen von Strategien und das Aussortieren der untauglichen, das Aneignen einer Fähigkeit durch Wiederholung, Zynismus und sein Verschleiß, der Sinn der Routine.
Nachklang: komisch und unerwartet weise. Eine Komödie, die sich beim Wiedersehen als Erwachsener als gar keine Komödie erweist, und dieses Gefühl ist angenehm.
Dead Poets Society / «Der Club der toten Dichter» (1989)
Ein Literaturlehrer an einer konservativen Schule lässt seine Schüler auf das Pult steigen, um den Klassenraum aus einer anderen Höhe zu sehen.
Themen: der Wechsel der körperlichen Position als Wechsel des Denkens, Poesie gegen Anleitung, der Druck von Familie und Institution, die Verantwortung dessen, der begeistert.
Nachklang: erst der Auftrieb, dann die Schwere, und in diesem Wechsel liegt die ganze Kraft des Films. Eines jener Werke, an die man sich jahrelang über eine einzige Szene erinnert.
The Truman Show / «Die Truman Show» (1998)
Ein Mensch lebt sein Leben in einer Kulisse und beginnt allmählich, die Ungereimtheiten zu bemerken.
Themen: Aufmerksamkeit für kleine Anomalien, die Grenzen der gewohnten Umgebung, Privatsphäre und Schauspiel, Freiheit als Entscheidung hinauszugehen.
Nachklang: trügerisch leicht, leicht beunruhigend, mit einem sehr starken Finale. Eine Komödie, die sich mit den Jahren immer ernster liest.
Inside Out / «Alles steht Kopf» (2015)
Die Emotionen eines Mädchens werden als ein Team von Operatoren am Pult gezeigt, jede mit ihrer Funktion.
Themen: die Visualisierung des Unsichtbaren, die Rolle der Traurigkeit in der Psyche, Erinnerung und Erwachsenwerden, ein Team mit unvereinbaren Prioritäten.
Nachklang: zart und verweint. Ein Animationsfilm, bei dem Erwachsene öfter weinen als Kinder und trotzdem gut gelaunt hinausgehen.
Soul / «Soul» (2020)
Ein Jazzpianist wartet sein Leben lang auf seinen großen Auftritt und bekommt die Chance, diese Geschichte von außen zu betrachten.
Themen: Berufung und die Vorstellung von Berufung, der Zustand des Flow, der Wert eines gewöhnlichen Tages, Musik als Form der Anwesenheit.
Nachklang: befriedend und leicht melancholisch. Gut direkt nach «Whiplash» zu sehen, es entsteht ein Streit zweier Filme über dieselbe Sache.
Nächster Teil: wenn nichts kommt.
Die ganze Reihe: