Filme über kreatives Denken: Dokumentationen
Hier gibt es kein Drehbuch: echte Meister sprechen über ihre Arbeit.
Filme über kreatives Denken: Dokumentationen
Teil sieben, der letzte. Hier gibt es kein Drehbuch: echte Meister sprechen über ihre Arbeit.
Der ruhigste Teil der Auswahl. Ideal für einen freien Tag, an dem man etwas Kluges ohne Nervenkitzel möchte.
Jiro Dreams of Sushi / «Jiro Dreams of Sushi» (2011)
Ein fünfundachtzigjähriger Koch in einem kleinen Lokal unter der Tokioter U-Bahn, drei Michelin-Sterne, zehn Plätze am Tresen.
Themen: tägliche Verbesserung statt Erreichen eines Ideals, die Rolle von Lieferanten und Lehrlingen am Ergebnis des Meisters, die Nachfolge zwischen Vater und Sohn, Einfachheit als höchste Komplexität.
Nachklang: kontemplativ und sehr ruhig, mit leichtem Hunger. Schöne Bilder und Musik von Philip Glass, nach denen man Stille möchte.
Helvetica / «Helvetica» (2007)
Ein abendfüllender Film über eine einzige Schrift und darüber, warum sie überall ist.
Themen: Neutralität als Haltung, der Streit der Designergenerationen, Schrift und Corporate Identity, die Stadtumgebung, zusammengesetzt aus Buchstaben.
Nachklang: unerwartet fesselnd für einen Film über eine Schrift, mit einer bekannten Nebenwirkung: Eine Woche lang liest man die Schilder, statt sich umzusehen.
Objectified / «Objectified» (2009)
Die Fortsetzung desselben Regisseurs, diesmal über Industriedesign und die Dinge um uns herum.
Themen: der Gegenstand als eingefrorene Lösung eines fremden Problems, Massenproduktion und Konsum, Nachhaltigkeit und Lebensdauer eines Dings, die unsichtbare Arbeit des Gestalters.
Nachklang: neugierig und leicht ernüchternd. Man dreht plötzlich die Zahnbürste in der Hand und betrachtet den Wasserkocher.
Rams / «Rams» (2018)
Ein Porträt von Dieter Rams, dem Autor der zehn Prinzipien guten Designs, der mit sechsundachtzig Jahren den gewählten Beruf bereut.
Themen: das Prinzip weniger, aber besser, die Zweifel des Meisters an der eigenen Sache, die Überproduktion von Dingen, das Haus als Fortsetzung einer Methode.
Nachklang: leise, minimalistisch, mit Musik von Brian Eno und einem Anflug von Traurigkeit. Nach dem Sehen möchte man meist etwas wegwerfen.
Abstract: The Art of Design / «Abstract: Design als Kunst» (2017-2019)
Eine Serie, in der jede Folge einem Designer gewidmet ist: einem Illustrator, einem Schuhentwickler, einem Bühnenbildner, einem Architekten, einem Typografen.
Themen: unterschiedliche Arbeitsprozesse innerhalb eines Berufs, Disziplin gegen Improvisation, das Verhältnis zum Auftraggeber, der Einfluss der Biografie auf den Stil.
Nachklang: anregend und sehr schön, die vierzigminütigen Folgen schaut man bequem einzeln. Meist wird geraten, mit den Folgen über Christoph Niemann und Es Devlin zu beginnen.
Man on Wire / «Man on Wire – Der Drahtseilakt» (2008)
Wie ein Seiltänzer 1974 seinen Gang zwischen den Türmen des World Trade Center vorbereitete: Auskundschaften, Zeichnungen, gefälschte Papiere, Proben.
Themen: Jahre der Vorbereitung für wenige Minuten, Besessenheit als Antrieb, ein Team um den Traum eines anderen, eine Tat ohne praktischen Sinn.
Nachklang: begeistert, mit Schwindel und unerwarteter Traurigkeit im Finale. Er sieht sich wie ein Heist-Film und bleibt als Geschichte über die Liebe zur eigenen Sache in Erinnerung.
Free Solo / «Free Solo» (2018)
Die Besteigung des El Capitan ohne Sicherung und, wichtiger noch, die zwei Jahre Vorbereitung darauf.
Themen: die Zerlegung der Route in Abschnitte und ihr Einüben bis zum Automatismus, Risiko als Parameter, der Einfluss von Beobachtern auf die Ausführung, die Nahestehenden eines Menschen, der sich dafür entschieden hat.
Nachklang: äußerst angespannt, mit schwitzigen Handflächen und anschließender Euphorie. Viele sehen das Finale durch die Finger, und das ist eine normale Reaktion.
Exit Through the Gift Shop / «Exit Through the Gift Shop» (2010)
Banksys Film über einen Mann, der Streetart-Künstler filmte und sich dann selbst zum Künstler erklärte.
Themen: die Methode und ihre Nachahmung, die Mechanik des Hypes auf dem Kunstmarkt, die Anonymität des Autors, die dokumentarische Form als Mittel.
Nachklang: spöttisch, frech, verstörend. Der Streit darüber, ob es inszeniert ist, dauert bis heute an, und genau deshalb macht es so viel Spaß, den Film zu besprechen.
Damit ist die Reihe abgeschlossen.
Die ganze Reihe: